PresseberichtSiegener Zeitung

Donnerstag, den 30. November 2015

Ritter gewann „Duell der Beamten“

Bilstein - Henkel unterlag nur knapp / Mehrfach betont: Landtags-Frage wird gesondert geregelt

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei 49-Jährigen aus der Gemeinde Finnentrop.

win ■  Als Theo Kruse vor fast genau zwei Jahren letztmals zur Wiederwahl als CDU-Kreisvorsitzender antrat, waren gerade 130 Mitglieder der Partei nach Oberveischede gekommen. Als am Freitag Kruses Nachfolger bestimmt wurde, waren es immerhin 318 Christdemokraten, die den Weg in die Freiheit-Bilstein-Halle auf sich genommen hatten. Denn während Theo Kruse 2013 ohne Gegenkandidat angetreten war, rangen diesmal gleich vier Bewerber darum, den Vorsitz des CDU-Kreisverbands Olpe zu übernehmen. Wie bereits kurz aktuell berichtet, entschied am Ende Jochen Ritter vom Stadtverband Olpe die Stichwahl knapp für sich.

Zuvor hatte Theo Kruse in seinem letzten politischen Bericht Bilanz gezogen. Anschließend hatten die vier Bewerber Gelegenheit, sich kurz vorzustellen – das Zeitfenster von „acht bis zehn Minuten“ wurde dabei allerdings nicht immer eingehalten.

Die Reihenfolge wurde gelost, und so hatte der Benjamin der Runde, Sven Henke (30) vom Stadtverband Attendorn, die undankbare Aufgabe, als Eisbrecher zu fungieren. Er kündigte an, er werde „hart arbeiten“, um den CDU-Kreisverband mit den bisherigen Werten, aber auf neuen Wegen zu führen. Hinsichtlich der Organisation müsse einiges neu aufgestellt werden, so der digitalpolitische Sprecher der Kreistagsfraktion. Er bat darum, einen Blick auf die Kandidatenliste zu werfen: Alle vier Bewerber seien Beamte. Er wolle dafür sorgen, dass sich wieder alle Bevölkerungsgruppen in der CDU wiederfinden könnten. Zudem müsse sich etwas ändern in der Kommunalpolitik, damit ein Parteiamt verantwortungsvoll neben einem Beruf geführt werden könne. Bei Sitzungen dürfte nicht mehr nur eine Anfangs-, sondern auch eine Schlusszeit angegeben werden, damit Familie und Kommunalpolitik unter einen Hut gebracht werden könnten. Auch sei denkbar, Mitglieder projektweise in die Parteiarbeit einzubinden. „Sonst bekommen wir das amerikanische System, wo Parteien nur zu den Wahlen hervorgeholt werden. Und das will ich nicht“, so der Dipl.-finanzwirt, der beim Bundesfinanzministerium arbeitet.

Sabine Krippendorf, wie auch Henke stellv. Kreisvorsitzende, war vom Stadtverband Lennestadt nominiert und hatte daher einen gewissen Heimvorteil. Sie warb für ihre Wahl: Nur durch politisches Engagement könne dazu beigetragen werden, dass sich die Gesellschaft wieder stabilisiere, „damit unsere Kinder und Enkel noch die Voraussetzungen für eine gute Zukunft haben“. Politik und Verwaltung müssten auf Kreisebene gut zusammenarbeiten, dürften aber nicht „eins sein“, so die Staatsanwältin. Viele verließen die CDU, weil sie mit der Bundesregierung unzufrieden seien. Deutschland stehe vor einer Zerreißprobe. Wer die Partei verlasse, dem müsse klar sein, dass er nicht mehr zur Lösung der Probleme beitragen könne.

Achim Henkel hatte zahlreiche Parteifreunde aus Finnentrop nach Bilstein gelockt. Der 49-jährige Polizeibeamte stellte sein Licht nicht unter den Scheffel: Er habe als Gemeindeverbandsvorsitzender in Finnentrop bewiesen, „dass ich Wahlen vorbereiten und gewinnen kann. Das will ich auf Kreisebene auch.“ Er wies darauf hin, dass er derzeit das einzige Kreisvorstandsmitglied der CDU sei, das auch im DGB-Kreisvorstand mitarbeite. Er sprach das Thema Flüchtlinge an, die Kanzlerin zitierend: „Wir können das schaffen, aber wir müssen wieder lernen, uns an Regeln zu halten.“ Er wisse aus seiner Tätigkeit bei der Polizei, dass selbstverständlich unter den Flüchtlingen auch solche seien, die aus unlauteren Gründen einreisten, „aber da sind auch die mit Schlappen an den Füßen und Tüten an der Hand und sonst nichts – und denen müssen wir helfen, abseits jeder Diskussion.“ Applaus brandete hier auf. Er kündigte an, als Kreisvorsitzender den Trend hin zu freien Wählergemeinschaften kritisch im Blick zu halten. Er stehe mitten im Leben und könne die Aufgabe als Kreisvorsitzender stemmen. „Ich bin sonntags in der Kirche und auf dem Sportplatz. Ich habe Verantwortung bewiesen privat, beruflich und im Ehrenamt.“

Zum Schluss stellte sich Jochen Ritter vor, wie Henkel 49 Jahre alt, wie Henkel aus der Gemeinde Finnentrop stammend, aber seit knapp 20 Jahren in Olpe lebend und dort Vorsitzender des Stadtverbands. Er sei zweisprachig aufgewachsen, hochdeutsch und platt, sicherte er sich eingangs Sympathiepunkte. Als Leiter der Immobilienverwaltung der Stadt Gummersbach sei derzeit seine Hauptaufgabe, Wohnraum für Flüchtlinge zu akquirieren, so Ritter. „So wie jetzt läuft es nicht mehr lange weiter.“ Unter seinem Vorsitz werde er die interkommunale Zusammenarbeit ausbauen, ohne aber die Identität der sieben Städte und Gemeinden in Frage zu stellen. Für ihn werde die Mitgliedergewinnung, eine verbesserte Außendarstellung und ein besserer Informationsfluss eine große Rolle spielen. Er werde als „Spielmacher der CDU-Kreisauswahl“ für mehr Tempo und Effizienz sorgen.

Und schon im ersten Wahlgang lagen Ritter (112) und Henkel (102) dicht beisammen, während Sabine Krippendorf mit 66 Stimmen weder die anwesenden Frauen noch die Lennestädter Mitglieder in Gänze auf ihrer Seite hatte. Abgeschlagen Sven Henke mit 33 Stimmen. In der Stichwahl blieb es eng, 13 Stimmen war Jochen Ritter am Ende vor Achim Henkel, der sich als fairer Verlierer zeigte und dem neuen Kreisvorsitzenden als einer der ersten die Hand drückte.

Wie es nun weitergeht im CDU-Kreisverband Olpe, darf gespannt erwartet werden. Nicht von ungefähr ist der Kreisvorsitz fast schon traditionell mit dem Landtagsmandat verknüpft, wobei am Freitag aber mehrfach betont wurde, es gehe bei der Wahl lediglich um besagten Vorsitz – die Frage der Nachfolge von Theo Kruse als Landtagsabgeordneter werde im nächsten Jahr gesondert zum Thema.

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